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Transalpina und Transfagarasan

Nach zwei phantastischen Fahrtagen nehme ich heute Morgen im Dämmerzustand zwischen Traum und Wachwerden ein unschönes Geräusch war. 

Ein Landregen plätschert gemütlich vor sich hin. Der Himmel ist dunkelgrau.

Wir schlendern auf Violettas Veranda und frühstücken  erstmal.

Auch die Katze hat sich ein trockenes Plätzchen gesichert.

Es regnet sich so richtig ein und wir beschliessen einfach noch eine Nacht zu bleiben. Es gibt mit Sicherheit Schlimmeres als sich von Violetta einen weiteren Tag super lecker bekochen zu lassen.

So bleibt Zeit zum Blog schreiben. Auf dem Balkon wickel ich mich in eine wame Decke und schnappe mir das Tablet und erinnere mich genüsslich.

Zeit zum Innehalten.

Die Tage sind wiedermal so vollgepackt mit Erlebnissen, dass ich kaum glauben kann, dass es erst vorgestern war, dass wir auf der Transalpina die Transsilvanischen Alpen überquert haben. Ein 148 km langer Kurventraum mit gutem Aspalt. Von Süden kommend fahren wir durch Mondlandschaften immer höher hinauf.

Bei 2145 Metern errreichen wir den höchsten Punkt. Die Transalpina wurde bereits im 4.Jahrhundert von den Römern erbaut. Lange Zeit war sie in Vergessenheit. 2010 bis 2012 wurde sie erst ashaltiert und ist Rumäniens höchste Paßstrasse.

Auf der Nordseite schrauben wir uns wieder runter durch ausgedehnte Waldgebiete, entlang von Flüsschen nach Siebenbürgen.

Die Landschaft wird immer  lieblicher und an den Strassenrändern werden Pilze und Blaubeeren verkauft. Schade, grad heute passt das nicht, denn wir wollen in Hermannstadt (Sibiu) Krautrouladen essen gehen. 

Die Nacht verbringen wir in Michelstadt (Cisnadiora). Das Motocamp ist zwar geschlossen, aber Doru kennt uns und wir dürfen dort, obwohl er im Urlaub ist übernachten. Tausend Dank für das Vertrauen! Er beschreibt uns wo der Schlüssel liegt. Alles weitere kennen wir ja. Bier ist auch noch im Kühlschrank. Wir sollen uns bedienen. Vor 2 Jahren haben wir hier mit Andreas, Julian, Antonie und ein paar anderen Jungs.....eine tolle Woche verbracht. Diesmal ist es so ruhig, ganz ungewohnt. Keine rumfliegenden Motorradstiefel, keine stinkenden Socken.........

Mit einem Bier sitzen wir im Innenhof, quatschen und haben eine wunderbar ruhige Nacht. Endlich mal kein Hundegekläffe.

Die Katzen freuen sich über unsere Frühstücksreste........

......die elektrische Sicherung wird wieder ausgestellt und schon sind wir auf dem Weg zur Transfagarasan. Heute trübt keine Wolke den Himmel. Perfekt 😀

Dahinten beginnt irgendwo die Transfagarasan. Auf 119 km überwindet sie das Fagaras Gebirge und verbindet Siebenbürgen mit dem Arges-Tal in der Grossen Walachei. Ceauscescu hat sie von 1970 bis 1974 erbauen lassen. Wohl mehr zu militärischen Zwecken. Viele hundert Menschen sollen beim Bau gestorben sein.

Heute ist sie ein touristisches Highlight. Beim Blick ins Tal ist völlig klar, warum die Transfagsrasan als eine der schönsten Motorradstrecken in Europa bekannt ist. Selbst für einen Donnerstag ist hier mächtig Betrieb.

Bevor wir oben auf der Passhöhe den schlechtbeleuchteten Tunnel durchfahren, gibt es erstmal eine Pause.

Jede Menge Buden verkaufen Essbares. Wir entscheiden uns für einen kleinen Snack, denn wir fahren ja noch zu Violetta.

Dieser Kuchen wird auf einer heissen Rolle von aussen gegrillt. Man bekommt ihn noch heiss überreicht. Himmlisch schmeckt das crosse, süsse Teil.

Auf der anderen Seite geht es rasch in vielen Serpentinen bergab. Schwer zu sagen welche Seite schöner ist.

Es gibt immer wieder Wasserfälle, Quellen und Seen. Die Farben sind schon herbstlich.

Von einigen Motorradfahrern haben wir gehört, dass es in dieser Gegend manchmal Kontakt mit wildlebenden Bären gibt. Das hatten wir noch nie und steht natürlich auf unserer Wunschliste ganz weit oben.  

Wir sind schon fast am Stausee vorbei und denken Mist......heute keine Bären......da sehen wir sie plötzlich auf einem Parkplatz. Eine Bärenmutter mit ihren zwei schon recht grossen Jungen.

Wie besprochen lassen wir den Motor laufen, man weiss ja nie. Schnell wird klar warum es hier Bären gibt. Sie werden aus einigen Autos heraus gefüttert. Keine gute Idee! Was machen die wenn es mal nix gibt? 

Das erleben wir ein paar Kilometer weiter. 

Plötzlich ist ein grosser Bär auf der Strasse. Das Auto vor uns gibt Gas und der Bär rennt ganz schön flott hinterher. Nach vielleicht 50 Metern gibt er auf und kommt in unsere Richtung zurück. Und jetzt? Hinter ihm ist eine enge Kurve, da ist der Bär definitiv schneller als wir. Auf der Geraden hätten wir bessere Chancen.

Unser Herzschlag beschleunigt sich ordentlich als er uns anvisiert.

Glücklicherweise kommt in dem Moment ein rumänisches Auto um die Kurve. Der Fahrer erkennt unser Problem, fährt auf unsere Spur und drängt den Bär somit auf seine Beifahrerseite ab. Wir geben Gas und lassen "das Problem" so schnell wie möglich hinter uns. Puh, nochmal gut gegangen. Weitere Bärkontakte brauchen wir dann erstmal nicht.

3 Kilometer später fahren wir immer noch aufgeregt in den Hof unsere Pension Nopti de Vara.

Den Palinka (Schnaps) von Violetta können wir gut gebrauchen.

Hier erleben wir beste rumänische Gastfreundschaft. Ungefragt gibt es erstmal eine "Kleinigkeit". Hier ist alles selbstgemacht. 

Vielen Dank an Schmidti und Jenny für die Empfehlung.

Es folgt ein wunderbarer, leckerer und alkoholreicher Abend.

Pünktlich um 19 Uhr finden wir uns am Essenstisch auf der Veranda ein und bekommen erstmal Himbeer und Sauerkirsch Aufgesetzten seviert. Süss, lecker, aber wir ahnen......der kann was. Im späteren Verlauf des Abends erfahren wir, dass die Früchte mit 96 %igem Alkohol angesetzt werden. Das erklärt Einiges.  Gnädigerweise bekommen wir Eiswürfel dazu.

Dann kommt die Hühnersuppe. Schliesst einfach mal die Augen und stellt euch diesen einmaligen Geruch vor, der schon seit dem Nachmittag durchs Haus zieht. Besser geht Hühnersuppe nicht. Wir beiden Suppenliebhaber sind hin und weg. Violetta ist total gerührt ob unserer Komplimente.

Und jetzt der Hauptgang. Es schmeckt alles so echt, so gut.

Polenta mit Käse, selbst geräuchertes Schweinefleisch ( hier wird selbst geschlachtet) saure Sahne ( damit es nicht zu trocken ist 😉), Schafskäse und Pickles.

Wir können uns nicht mehr bewegen. Das Dessert schlagen wir höflichst aus, aber ja.......ein Schnaps geht noch.


Ein toller Tag geht zu Ende. Wir fallen ins Bett.

Ach, da ist noch ein Lichtschalter. " Mach mal an"

Noch Wünsche offen?